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„Schwarze“ Rechnung geht nicht auf

Immer wieder setzen Bauherren oder Wohnungs- und Hausbesitzer den Sparstift an und es stellt sich die Frage: Kann ich mir den Hausbau/Umbau einer Wohnung „offiziell“ überhaupt leisten oder nehme ich mir lieber eine „billige Pfuschertruppe“?

„Verhandeln und Sparen“ am Bau ist immer Thema für einige Auftraggeber. Es ist davon auszugehen, dass auch von der Beschäftigungsseite her das Pfuschen im Jahr 2010 und weiter 2011 wieder zunehmen wird. Wer sich bei seiner Wohnungsrenovierung eines Pfuschertrupps bedient, ist oft der Meinung, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Die Leute sind billiger und daher liegt es auf der Hand, dass die Arbeiten auf der Baustelle es auch sind. Also bedient man sich besser eines Pfuschers als eines Profis. Die Rechnung geht aber in vielen Fällen gar nicht auf und oft verkehrt sie sich auch in das Gegenteil: bei Schadenersatz- oder Gewährleistungsansprüchen zum Beispiel. Das ist dann die Spitze des Eisbergs; es gibt noch einige andere Gründe, warum es sich kaum lohnt, Pfuscher zu nehmen.

Kostenersparnis

Erfahrungsgemäß teilen sich die Kosten einer Baustelle oder Wohnungsrenovierung wie folgt auf: 70 % entfallen auf die Arbeitskosten, 30 % auf das reine Material. „Von den reinen Arbeitskosten entfallen wiederum anteilig 70 % auf den Handwerker, 30 % auf die Koordination, den Wareneinkauf, den Transport, das Hinaufschleppen der Materialien, die Erstellung von Plänen, Vorbesprechungen, die Überlegung und Planung von Grundrissen und Ähnliches“, erklärt Johannes Kirchner vom Unternehmen Haus & Heim. Kirchner unterstützt als „Immoflüsterer“ Leute beim Kauf ihrer Wohnung und hat in seiner langjährigen Tätigkeit schon eine Vielzahl von Baustellen und renovierten Wohnungen gesehen – er weiß, wovon er spricht. Somit machen bei einer Arbeitssumme von beispielsweise 100.000 Euro die reinen Kosten für den oder die Arbeiter 50.000 Euro aus, 30.000 Euro sind reine Materialkosten und 20.000 Euro sind die Kosten für sämtliche begleitende Arbeiten, die bei einer Baufirma der Baumeister, der Polier, die Einkäufer, die Fahrer, die Spediteure etc. erledigen. Kirchner: „Man kann nur bei der Organisation wesentlich einsparen, weil der reine Stundenlohn, den die einzelnen Arbeiter verlangen, kaum mehr reduzierbar ist und sich in der Größenordnung von sieben bis zehn Euro pro Stunde bei den Pfuschern bewegt.“ Wer mit einer Pfuschertruppe arbeitet, spart sich auf alle Fälle diese 20 % Overheadcosts; der Nachteil ist, dass er sämtliche dieser Organisations- und Koordinations-„Rennereien“ persönlich durchführen muss. Wenn man selber die Organisation macht, ist auch zu bedenken, dass durch die Einkäufe beim Baumarkt der private Pkw enorm in Mitleidenschaft gezogen wird, da das hohe Gewicht das Auto kaputt macht und normalerweise sehr viele Kratzer und Beschädigungen an den Sitzen die Folge sind. Auch die Wegzeiten sind nicht unerheblich, da die Zeit für das Ein- und Auspacken, verbunden mit diversen Parkstrafen, auch noch groß ist. „Viele Auftraggeber überschätzen ihr Talent, wenn es darum geht, Planungen, Einreichungen, statische Beurteilungen von Mauern und Decken, die Erstellung eines Elektroplans, die Herstellung einer Heizlastberechnung für die Heizung und Ähnliches herzustellen“, weiß Kirchner: „Gerade in diesem konzeptionellen Bereich geschehen die schlimmsten Fehler, die von den Pfuschern ohne Kommentar und Widerrede ausgeführt werden.“

Arbeitskosten

Auch der Faktor Arbeit ist nicht mehr so günstig, wie er einmal war. Seit der Öffnung der Ostgrenzen hat der Wohlstand auch unsere Nachbarländer im ehemaligen Ostblock erreicht. Deutlich spürbar ist eine Anhebung des Qualitäts- und Ästhetikbewusstseins bei der Ausführung der Pfuschtruppen. Kirchner: „Erfolgreiche Pfuschtruppen sind mittlerweile kleine ,Schwarzmarktunternehmen‘, welche beachtliche Gewinne – eben schwarz – erwirtschaften. So mancher ,Chef‘ einer Pfuschertruppe fährt heutzutage schon mit einem Jeep Cherokee vor und beschränkt sich nur noch auf das Delegieren an seine diversen Arbeitsgruppen.“ Er lässt sich eben seine 10 bis 15 Jahre Praxis am Bau mittlerweile gut bezahlen und fungiert nur noch als Koordinator. Dass hier die Kosten natürlich immer näher an die regulären Kosten von Handwerksbetrieben steigen, ist verständlich. Zudem kommt noch ein anderes Problem, so Kirchner: „Kostenvoranschläge von Pfuschertruppen werden erfahrungsgemäß immer mündlich vereinbart und daher ist das Nachverhandeln von Leistungen, die nicht erbracht werden, besonders schwierig, weil man sie auch nicht schriftlich vereinbart hat. Schwierig sind diese Verhandlungen ohnehin, weil die Sprachbarriere sehr oft nur einfache technische Beschreibungen zulässt.“

Materialkosten

Dann wäre da noch der Faktor Material: Damit Pfuschertruppen günstige Preise bekommen, ist es notwendig, dass man die Materialien in Billigbaumärkten kauft. „Erfahrungsgemäß sind diese Materialien qualitativ schlechter, was sich leider oft erst nach einigen Jahren der Benutzung erweist“, erklärt der Immoflüsterer: „Das sind zum Beispiel undichte Armaturen oder zerkratzte Fliesen. Das zeigt sich meistens erst nach der Verarbeitung.“ Professionelle Firmen kaufen prinzipiell nur Baumaterialien und Produkte ein, die sich im Alltag bewährt haben, und bekommen natürlich im Laufe der Jahre immer bessere Konditionen bei ihren Baustoffgroßhändlern. Anders gesagt: Eine Profifirma verlangt für die Fliesen oder das Baumaterial inklusive Anlieferung den gleichen Preis wie ein Baustoffmarkt beim Einzelkunden. Die Baustofffirma kann dies zum gleichen Preis sogar anliefern und hat immer noch etwas verdient, weil sie eben gute Konditionen (10 bis 40 % und mehr Nachlass aufgrund des Mengenrabatts für viele Baustellen) bekommt.

Versicherungsaspekt

Wer seine Wohnung oder sein Haus mit Pfuschern renovieren lässt und für wichtige Gewerke wie zum Beispiel Installateurarbeiten keine Abnahme durch einen Konzessionär oder Rechnungen von einer konzessionierten Firma vorweisen kann, hat im Versicherungsfall oft schlechte Aussichten. Eine Gebäude- oder Hausratsversicherung wird im Fall eines Kabelbrandes oder eines Wasserschadens (undichter Kanal, geplatzte Wasserleitung, Feuchtigkeit von kaputten Heizleitungen) zuerst die Vorlage einer Rechnung von einer konzessionierten Firma verlangen. Wenn man diese nicht nachweisen kann, hat die Versicherung sehr gute Karten, keinen Schadenersatz leisten zu müssen. Auch hier gilt wieder: Wer billig einkauft, zahlt am Schluss teuer drauf!
Die Frage nach konzessionierten Arbeiten stellt sich auch oft beim Verkauf. Ein geschickter neuer Käufer wird sinnvollerweise Rechnungen von konzessionierten Firmen verlangen, damit er im Falle von Defekten oder kleinen Problemen mit der Elektro-, Wasser- oder Heizungsinstallationsanlage gleich bei der Herstellerfirma reklamieren kann. Wenn man als Verkäufer nur auf einen Pfuschertrupp verweisen kann, so wird dies so manchen Käufer abschrecken. Kirchner: „Aufgrund der jahrelangen Erfahrung der Firma Haus & Heim im Bereich von Renovierungswohnungen kann ich sagen: Wohnungen, die von ,Pfuschertrupps‘ renoviert wurden, sind konzeptionell derartig schlecht gemacht, dass sämtliche Einbaugegenstände oder montierten Gegenstände wie Heizung, Elektroinstallation, Badezimmer, Kanal und anderes ausnahmslos entfernt werden müssen, weil sie keiner strengen technischen Kontrolle standhalten.“

Sozialbetrug

Natürlich ist darauf hinzuweisen, dass diejenigen, die Pfuscher anstellen, durch das Nichtbezahlen von Sozialversicherungen einen Sozialbetrug begehen. Dennoch scheint in Österreich die Mentalität vorzuherrschen: „Wenn es die anderen machen, dann wird es bei mir auch kein zu großes Problem sein“, so Kirchner. Jährlich entgehen dem Staat dadurch Millionen an Sozial- und Versicherungsbeiträgen, was natürlich die Abgabenbelastung für offizielle Handwerksfirmen erhöht. Die Strafen, wenn ein Pfuscher auf der eigenen Baustelle erwischt wird, sind empfindlich und erheblich. Kosten pro Kopf (pro Pfuscher): rund 5.000 Euro. Mit etwas Glück kann man als Ersttäter etwas weniger zahlen. Die Kosten ergeben sich aus dem Verstoß gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz und der Hinterziehung und Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen.

Garantie

Zur Gewährleistung von Pfuschern ist zu sagen: „Aus den Augen ist aus dem Sinn.“ Es gehört zum Gentlemen’s Agreement mit Pfuschertruppen, dass man hier keine Gewährleistungsansprüche stellt, und wenn die Arbeiter die Baustelle verlassen haben, kann man nicht ernsthaft davon ausgehen, dass man sie jemals wiedersieht oder hier Schadenersatzansprüche stellen kann. Juristisch gesehen gilt übrigens, dass Handwerkerarbeiten, die im Pfusch erledigt wurden, sehr wohl einen Gewährleistungsanspruch bewirken, da für jede entgeltliche Leistung mit nachweisbarer Bezahlung auch ein rechtlicher Anspruch durchsetzbar wäre. Das Problem ist dabei meistens: Wo wohnen die Pfuscher im Ausland und wie sind sie dort überhaupt gemeldet und erreichbar?
Kirchner bringt es auf den Punkt: „Wer eine Pfuschertruppe engagiert, muss schon ein gehöriges Selbstbewusstsein haben, d. h. davon überzeugt sein, dass er sehr viel vom Bau versteht. Oder aber anders gesagt: Wenn ihm eine 50%ige Ausführungsqualität zu 70 % des Marktpreises reicht, kann man eine Pfuschertruppe mit gutem Gewissen empfehlen.“

 

In Kooperation mit „Die unabhängige Immobilien-Redaktion“: http://www.immobilien-redaktion.at


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Kategorie: Allgemein