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Interview - Regionale Maklerspezialisten „Lokalmatadore“ vs. Allroundmakler
INTERVIEW mit Rudi Dräxler, GF der Rudi Dräxler Immobilientreuhand GmbH

Interviewpartner: Domenica Beyer, Onlineredaktion FindMyHome.at GmbH

Thema: Regionale Maklerspezialisten „Lokalmatadore“ vs. Allroundmakler


F: Herr Dräxler, vorab vielen Dank, dass Sie sich für ein Interview der FMH.at ImmoNews Zeit nehmen.

A: Es freut mich, dass ich die Gelegenheit habe, Ihnen ein paar - wie ich hoffe interessante - Informationen über mein nunmehr seit immerhin zehn Jahren bestehendes Unternehmen zu geben.

F: Wir möchten heute ein bisschen hinter die Kulissen schauen, um der Frage: „Ist das Lokalmatador- Dasein gegenüber einem Allroundmakler (Makler mit einem breit gestreuten Angebotsspektrum, unabhängig der Lage) von Vor- oder Nachteil & wenn ja für wen“ auf den Grund zu gehen.

F: Sie haben Ihr Angebotsportfolio primär in Wien 14 und Wien Umgebung West. Würden Sie sich in dieser Region als Lokalmatador bezeichnen?

A: Geht man von der Qualität von Beratung, Abwicklung und Angebot aus, glaube ich, dass ich mir diese ehrenvolle Bezeichnung in den letzten zehn Jahren erarbeitet habe.

F: Sie haben Ihr Unternehmen vor 10 Jahren gegründet und als Standort das Auhof Center gewählt. War Ihnen schon bei der Gründung klar, dass Sie sich in dieser Region verwurzeln möchten? Wie kommt man auf die Idee, ein Maklerbüro in einem Einkaufs-Center zu positionieren?

A: Ich bin in dieser Region geboren, aufgewachsen und lebe nach wie vor hier. Ich war daher schon hier verwurzelt, bevor ich meine Maklertätigkeit aufnahm. Bereits bei der Eröffnung meines Büros war ich davon überzeugt, dass sich das Auhof Center zu einem bekannten und stark frequentierten Zentrum entwickeln wird.

F: Vor 10 Jahren war - meiner Recherche nach - Wien 14 und WU West primär B und tw. C Lage mit geringer Nachfrage. Waren Sie schon so vorausschauend, dass diese Region immer mehr an Nachfrage gewinnt und die Preise von Jahr zu Jahr steigen oder hatten Sie Glück?

A: Ich hatte nie den Eindruck, dass es an der Nachfrage mangelte. Die Frage nach der A, B oder C Lage ist meiner Meinung nach für einen Makler kein Kriterium, sondern ausschließlich seine Verkaufserfolge. Und mit Glück hat unser Beruf, so bin ich überzeugt, sehr wenig zu tun.

F: Sehen Sie vermarktungstechnisch Vorteile in einem Einkaufs-Center gegenüber einem Büro?

A: Bei einem entsprechenden Bekanntheitsgrad des Centers ist man für Kunden sicherlich leichter zu finden.

F: Hätten Sie damals gewusst, dass ein paar Jahre später das Q19 seine Pforten öffnet, hätten Sie sich dann lieber in dieser Lage positioniert?

A: Nein. Ich habe die Region, die ich wie meine Westentasche kenne und in der ich sozusagen Heimvorteil habe, nie in Frage gestellt.

F: Alois Reikersdorfer von RE/MAX Austria behauptet, dass in 10 Jahren ein Makler, der sich nicht auf eine Region spezialisiert, keine Chance mehr hat – sehen Sie das ähnlich?

A: Ich teile diese Meinung und verstehe jetzt auch, warum Herr Reikersdorfer aus meinem gutgehenden Unternehmen gerne ein RE/MAX-Büro machen möchte.

F: Sehen Sie für Suchende Vorteile, zu einem Lokalanbieter zu gehen oder kann ein Allrounder das gleiche Service bieten?

A: Erfahrungsgemäß geht der Suchende fast immer zu einem lokalen Anbieter, weil er zu Recht davon ausgeht, dass dieser für ihn das größte Angebot und das beste regionale Know-how hat.

F: Sehen Sie für Ihr Unternehmen als regionaler Spezialist einen wirtschaftlichen Vorteil?

A: Durchaus. Durch das relativ kleine zu bearbeitende Gebiet sind wir schneller und flexibler bei Besichtigungen und in der Abwicklung. Der Markt ist zudem überschaubarer.

F: Angenommen, der Wien 14 & WU West würden dramatisch in der Nachfrage sinken, würden Sie umsatteln und jede Immobilie, die hereinkommt annehmen oder durchtauchen und Ihrer strategischen Ausrichtung treu bleiben?

A: Dieses Szenario ist für mich nicht vorstellbar, da der „Speckgürtel“ Wiens im Immobiliengeschäft immer ein Thema sein wird.

F: FindMyHome.at zählt mittlerweile monatlich rund 35.000 Interessenten in Ihrer Region – wie stark wird Ihrer Einschätzung nach die Nachfrage in 10 Jahren sein ?

A: Ein Einschätzungsversuch fällt für mich unter Hellseherei und Kaffeesudlesen. Damit beschäftige ich mich als Realist nicht.

F: Wird das Grün immer mehr verschwinden und so wie der Wien 19 zugepflastert werden oder bleibt die grüne Seele des Wienerwalds und die Preise passen sich dem Niveau von Wiens Top Lagen an?

A: Der Wienerwald zählt zum Biosphärenpark. Ein Zupflastern hat schon der Retter des Wienerwalds, Josef Schöffel, im 19. Jahrhundert verhindert. Darüber hinaus werden seit längerer Zeit keine Umwidmungen mehr vorgenommen, wovon ich auch in der Zukunft ausgehe.

F: Was für Tipps könnten Sie einem Makler-Neuling geben?

A: Ich maße mir nicht an, jungen Kollegen gute Ratschläge zu geben. Eines ist aber sicher: Ohne Qualität kein Erfolg.

F: Viele Spekulanten tippen auf eine rasante Preisentwicklung in Tulln und Umgebung bis Ende 2019. Einige sprechen sogar von einer Annäherung an Wien 14 und17, sowohl preislich als auch infrastrukturell. Sehen Sie das genauso?

A: Ich bin kein Spekulant, besitze auch keine einzige Aktie – daher beteilige ich mich auch grundsätzlich nicht an solchen Spekulationen.

F: Hätte Rudi Dräxler - oder vielleicht hat er sogar - eine Million EURO, in welche Immobilienart und wo würde er investieren?

A: Hat er leider nicht. Aber ich würde ein Grundstück in zentraler Lage kaufen, darauf ein Miethaus mit 6 Dreizimmer-Wohnungen zu je 75 m² errichten und die Wohnungen vermieten.

F: Würden Sie diese Investition auch wagen, wenn Sie von der Million nur 30% Eigenmittel hätten und den Rest finanzieren müssten?

A: Da ich gerne ruhig schlafe, wäre ich erst bei 50% Eigenmittelanteil dabei.

F: Wird es weitere Rudi Dräxler Büros, noch weiter im Westen, geben, vielleicht in einem Center Tulln oder haben Sie gar kein Animo in diese Richtung?

A: Nein, wir planen keine weiteren Büros. Wir betreiben aber seit kurzer Zeit einen 4 m² großen Immobilien-SB-Stand im neuen Riverside in Liesing. Das entspricht unserer Firmenphilosophie.


F: Vielen Dank für das Interview!